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Prof. Dr. Ingeborg Reichle · Forschungsschwerpunkte
Meine aktuellen Forschungsschwerpunkte umfassen die folgenden Bereiche:

1 Vor der Logik des Lebens zur Logik der Bilder
2 Die Welt als Bild (info) » | The World as Image (info) »
3 Die Bildmedien der Kunstgeschichte
4 Kunst in Zeitalter der Technowissenschaften
5 Neue Medien in der Bildung: E-Learning


1 Vor der Logik des Lebens zur Logik der Bilder

Das Forschungsprojekt Von der Logik des Lebens zur Logik der Bilder zielt auf die Untersuchung der zunehmenden Piktorialisierung naturwissenschaftlicher Forschungszusammenhänge und die fortschreitenden Kontrollierung und Technisierung des Lebendigen. Welche Erkenntnis leitende Rolle spielen die instrumentellen Bildwelten der Lebenswissenschaften hinsichtlich der Erforschung und Operationalisierung des Lebens in den modernen Lebenswissenschaften auf molekularer Ebene? Wie lässt sich die Diskrepanz zwischen den vielfältigen Metaphern aus dem Bereich der Schrift und der Sprache, welche die Wissenschaften vom Leben umgeben, und dem umfassenden Einsatz von Visualisierungen in laborwissenschaftlichen Forschungszusammenhängen erklären? Obwohl die Lebenswissenschaften und insbesondere die Genetik immer wieder als Schreibtechnologie schlecht hin bezeichnet werden, präsentieren sich diese in der Praxis vor allem als Ort einer immensen Bilderproduktion. Diese Bilder werden in einem aufwendigen Herstellungs- und Aushandlungsprozess gemacht und sind in hohem Maße konstruierte Artefakte und bilden Wirklichkeit, das heißt die »Objekte« des jeweiligen Untersuchungs- bzw. Experimentalzusammenhangs nicht einfach ab. Bei dem Vorgehen, Wissen ins Bild zu setzen, handelt es sich um einen konstruktiven Prozess, der in einem komplexen Zusammenspiel auf andere Bilder referiert, und nur bedingt auf eine externe Realität verweist. Weite Bereiche der modernen Lebenswissenschaften konstruieren und designen die Objekte ihres Forschungsinteresses heute weitgehend selbst und produzieren dabei technologische Artefakte, bzw. Biofakte, die ihre Existenz der experimentellen Kultur und dem expandierenden Apparatesystem des Labors verdanken. Mit diesem Teilprojekt wird ein Beitrag zur Erforschung der Transformation von Bild und Bildlichkeit im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess in einer bild- und medientheoretischen Perspektive geleistet, eine Transformation, die metaphorisch als Verschiebung von der Logik des Lebens zur Logik der Bilder beschrieben werden kann.


3 Die Bildmedien der Kunstgeschichte

Einleitung
Mit der Erfindung der Fotografie um 1839 trat ein technisches Reproduktionsverfahren den bisherigen, manuellen Verfahren zur Reproduktion von Kunstwerken an die Seite und löste in der Folge die Sehweisen des 18. Jahrhunderts ab, welche die Kunst als ein subjektiv erfahrbares und interpretierbares ästhetisches Phänomen vorstellten. Die optomechanische Bild-Erzeugung eröffnete jenen Kunstkennern, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts danach trachteten, als Wissenschaftler an Universitäten Aufnahme zu finden, die Möglichkeit, den Vorwurf des Subjektivismus oder Relativismus methodisch und theoretisch zu entkräften und zu »objektiven Aussagen« zu gelangen. Kunsthistoriker wie Bruno Meyer (1840-1918) in Karlsruhe und Herman Grimm (1828-1901) in Berlin integrierten schon bald nach dem Verfügbarwerden und der massenhaften Verbreitung von fotografischen Kunstreproduktionen diese in ihr wissenschaftliches Arbeiten, um durch die Einbeziehung wissenschaftlich-rationaler Techniken ihre kunsthistorischen Forschungen auf eine »objektive« Basis zu stellen und sie damit den empirischen Wissenschaften anzunähern.

In ihrer ideologischen Funktion als naturwissenschaftlich anerkannte Abbildungstechnik, die ihr seit der Patentierung durch den französischen Staat zugesprochen wurde, stellte die Fotografie die »objektive« Dokumentation einer Kunst in Aussicht, die nicht nur unabhängig von der men-schlichen Wahrnehmung ihre eigene Geschichte bezeuge, sondern sich auch wertneutral systematisieren lasse. Denn zur Konstruktion einer Abfolge von Stilen, die als Beleg für eine kontinuierliche und darin den Naturwissenschaften vergleichbare Entwicklungsgeschichte der Kunst in Anspruch genommen werden konnte, war es notwendig, nicht an Sammlungen oder Museumsbestände gebunden zu sein, sondern losgelöst vom Aufbewahrungsort, vom Zustand und von den Besitzverhältnissen der Kunstwerke schlüssige Reihen zu bilden.

Fotomechanisch reproduzierte Bilder von Kunstwerken eigneten sich im Gegensatz zu den originalen Kunstwerken auf ideale Weise dazu, immer neue Formationen von Schulen, Motiven und nationalen Stilen zu generieren, einzelnen Werken ihren Platz in den kunsthistorischen Epochen zuzuweisen und die Produktion eines Künstlers in verschiedene Werkphasen zu unterteilen. Mit dem Einsatz fotografischer Reproduktionen konnten die Kunstwerke nun umfassend archiviert, aus ihrem raumzeitlichen Kontext herausgelöst und in neue Zusammenhänge gestellt werden, wobei durch die bildliche Archivierung die Kunstwerke jedoch auch einer neuen Wahrnehmung unterstellt wurden, die sich vom Umgang mit Originalen unterschied.

Die Zuschreibung der Fotografie im Sinne eines wissenschaftlich »objektiven« Reproduktions-medium wurde im 19. Jahrhundert zur unabdingbaren Voraussetzung für den Einzug der technischen Bilder in die Kunstgeschichte. Nur so konnte der wissenschaftlichen Textexegese auch das Konzept des erkennenden bzw. vergleichenden »Sehens« an die Seite gestellt werden und die junge Disziplin Kunstgeschichte sich von den Geschichtswissenschaften über eine eigene Quellenbasis emanzipieren und distanzieren. Dies eröffnete der akademischen Kunstgeschichte die Möglichkeit, eine wissenschaftlich objektive Quellenbasis in Form von Fotoarchiven und Diatheken zu installieren, die insbesondere den Kunsthistorikern an den Universitäten eine Form des wissenschaftlichen Arbeitens ermöglichte, die nicht mehr an Sammlungen oder Museums-bestände gebunden war.

Publikationen
- Neue Medien in der Bildung: Chancen und Herausforderungen kooperativen Lehrens und Lernens in der Kunstgeschichte. (mit Thomas Lackner und Dorothee Wiethoff) In: Kritische Berichte, Heft 3/2000, S. 87-90.
- Medienbrüche. In: Kritische Berichte, Die Bildmedien der Kunstgeschichte Heft 1/2002, S. 40-56.
- PROMETHEUS - Das verteilte digitale Bildarchiv für Forschung und Lehre. Ein internetgestütztes Konzept zur Zusammenführung heterogener Wissensquellen am Kunstgeschichtlichen Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin. In: Humboldt Spektrum 1/2003 (mit Horst Bredekamp), S. 48-53.
- Fotografie und Lichtbild: Die unsichtbaren Bildmedien der Kunstgeschichte. In: Anja Zimmermann (Hg.): Sichtbarkeit und Medien: Austausch, Verknüpfung und Differenz von naturwissenschaftlichen und ästhetischen Bildstrategien, (Tagungsband) Hamburg 2004, S. 177-191.

Vorträge
- Neue Medien in der Bildung: Chancen und Herausforderungen kooperativen Lehrens und Lernens, Multi-Media-Gruppe der Humboldt-Universität, Berlin, 28. Juni 2000
- DigiCULT Expert Round Table, 5. Juli 2001 | Haus der Kulturen der Welt, Berlin
- terra digitale - Neue Medien in Forschung und Lehre. Abendforum in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Isabel Wünsche (Bremen), 7. Kunsthistorikerinnen-Tagung 2002, Humboldt-Universität, Berlin, 27. September 2002
- Fotografie und Lichtbild: Die unsichtbaren Bildmedien der Kunstgeschichte. Zum Einsatz von analogen und digitalen Reproduktionsmedien in der Kunstgeschichte. Warburg Haus Hamburg, Studienkurs: "Sichtbarkeit und Medien: Austausch, Verknüpfung und Differenz von naturwissenschaftlichen und ästhetischen Bildstrategien" Hamburg, 16.-20. September 2002
- "...die wahren Geheimnisse der Schöpfung": Wie die Wissenschaften zu ihren Bildmedien fanden. Jahrestagung des Sonderforschungsbereichs Kulturen des Performativen, Freie Universität Berlin, 28.-30. November 2002
- Chancen multimedial gestützter, transdisziplinärer Lehre in den Gender Studies. Kolloquium des Studiengangs "Gender Studies" der Humboldt-Universität: Didaktik und Multimedia in den Gender Studies, 17. Januar 2003, Humboldt-Universität zu Berlin
- Kunst - Bild - Wissenschaft. Zum Einsatz analoger und digitaler Medien in der Kunstgeschichte und ihrer wissenskonstituierenden Bedeutung. Die Bildmedien der Kunstgeschichte, Workshop am Kunstgeschichtlichen Seminar der Humboldt-Universität, Berlin, 21. Juni 2003
- ANALOG VERSUS DIGITAL: Neue visuelle Strategien der Kunstgeschichte? "HyperKult 12" analog digital. Kunst und Wissenschaft zwischen Messen und Zählen, Universität Lüneburg, Lüneburg, 24.-26. Juli 2003
- Kunstgeschichte als Bildwissenschaft. Kunstgeschichtliche Deskription versus bildwissenschaftliche Analyse? Interdisziplinäre Fachtagung in Magdeburg 24.-26. November 2004
- The Photographic Eye: Vision and Modernity in 19th-Century Art History. Modernist Studies Association, Chicago, Illinois, 3.-6. November 2005
- The Visible Genius. Art and Photography in 19th Century Art History. Society for Literature, Science, and the Arts, Chicago, Illinois, 10.-13. November 2005


Mitgliedschaften

Zudem bin ich Mitglied in den folgenden Organisationen:

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