projekte
Lesen und Schreiben im Buch des Lebens
Gen-Entschlüsselung und ihre Folgen
3sat
Diskussion im Rahmen der Wissenschaftsreihe delta
19. Oktober 2006, 21 Uhr
Moderation: Gert Scobel

Das menschliche Genom ist, wie das vieler anderer Lebewesen, zu über 99 Prozent entschlüsselt. Zum Leidwesen vieler Wissenschaftler ist damit jedoch weit weniger gewonnen als erhofft. Im Gegenteil: Die Genom-Daten sind erst der Ausgangspunkt für weitaus komplexere Fragestellungen. So enthält das menschliche Erbgut weniger Gene als angenommen: Warum aber ist der Mensch dennoch zum Aufbau komplexen Verhaltens, zu Bewusstsein und Kultur fähig?

Ungeachtet der ungelösten prinzipiellen Fragen ist der Fortschritt in der klassischen Genetik atemberaubend. Computer- und Programmiertechnologien reduzieren den zeitlichen und finanziellen Aufwand zur Genombestimmung eines Lebewesens immer mehr. Ziel ist die "1.000 Dollar-Gen-Bestimmung" für jedermann: Eine vollständige Erbanlagenanalyse und Risikoprognose für einen einzelnen Menschen innerhalb weniger Stunden. Doch welchen Wert hat eine solche Prognose, wenn wir noch nicht wissen, wie das komplexe Zusammenspiel aus Genen, Proteinen, DNA, Umweltbedingungen und anderen Faktoren funktioniert?

Welche Auswirkungen haben derartige Analysen, die in Kürze Wirklichkeit werden sollen, sowohl auf die Gesellschaft als auch auf das Individuum? Gilt der Satz "Pech für die Verlierer", wenn die Krankheitsprognose ungünstig ist? Das Gen-Screening, das den Ausbruch von Krankheiten verhindern soll, muss kritisch gesehen werden. Könnte es den Rückfall in platten Sozialdarwinismus bedeuten statt ein großer Gewinn für die Menschheit zu sein? Können die Vorteile der Gentechnik, wie die mögliche Heilung von Krankheiten wie Krebs bereits im Vorfeld, die Nachteile wie beispielsweise soziale Spannungen realistisch gegeneinander abgewogen werden? Wohin bewegt sich die in uns ständig weiter wirkende Evolution?
(Text: Redaktion 3sat)

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Gäste im Studio

Prof. Dr. Markus Hengstschläger
Genetiker, Medizinische Universität Wien - AKH
Universitätsklinik für Frauenheilkunde / Abteilung für Medizinische Genetik

Markus Hengstschläger ist Leiter der Abteilung für Medizinische Genetik an der Uniklinik für Frauenheilkunde am Wiener Universitätsklinikum und leitet dort die genetischen Labors für Pränatale Diagnostik und Therapie. Er gilt als einer der international profiliertesten und zugleich kritischsten Genetiker. Hengstschläger ist Mitglied in der Päpstlichen Akademie für das Leben (Pontificia Academia Pro Vita) im Vatikan, in der Gentechnikkommission des österreichischen Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen und im Wiener Beirat für Bio- und Medizinethik.

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Dr. Matthias Krings
Molekulargenetiker
Catenion Strategies GmbH

Matthias Krings war Doktorand bei Svante Pääbo, Professor für Genetik und Evolutionsbiologie an der Universität Leipzig und Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, und forschte mit ihm zusammen am Erbgut des Neandertalers. Aus einem Knochenfund von 1856 konnten sie Erbgut gewinnen und vervielfältigen. Anschließend verglichen sie die DNA-Sequenz mit dementsprechenden Abschnitten aus dem Erbgut des heutigen Menschen. Die Unterschiede waren so groß, dass sie daraus den Schluss zogen, dass der Neandertaler keine Gene an den Menschen weitergegeben hat. Die Veröffentlichung dieser Ergbnisse in der Zeitschrift "Cell" im Jahre 1997 sorgte für viel Aufsehen. Heute arbeitet er für die Catenion Strategies GmbH.

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Prof. Dr. Ingeborg Reichle
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Interdisziplinäre Arbeitsgruppe "Die Welt als Bild"

Ingeborg Reichle studierte Kunstgeschichte, Philosophie, Soziologie und Archäologie in Freiburg/Breisgau, London und Hamburg und promovierte 2003 mit der Dissertation "Kunst aus dem Labor. Zum Verhältnis von Kunst und Wissenschaft im Zeitalter der Technoscience", in der sie unter anderem Positionen zeitgenössischer Künstler auf Fortschritte in der Gen- und Reproduktionsmedizin analysiert. Seit 2005 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Themen wie "Von der Logik des Lebens zur Logik der Bilder" und "Die Welt als Bild, Kunst im Zeitalter der Technowissenschaften".

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