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INTERDISZIPLINÄRE TAGUNG

»Erkenntniswert Farbe«

Tagung der Interdisziplinären Arbeitsgruppe »Bildkulturen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
Donnerstag und Freitag, 7. bis 8. Juli 2011

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Akademiegebäude am Gendarmenmarkt
Einstein-Saal, Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin

Mit Vorträgen von Toni Bernhart, Ulrike Boskamp, Werner Busch, Magdalena Bushart, Sabine Doran, Michael Fehr, Andre Karliczek, Olaf Müller, Anne Peiter, Esther Ramharter, Ingeborg Reichle, Magnus Schlette, Friedrich Steinle und Margrit Vogt

Weitere Informationen und Anmeldung
Torsten Werner
T +49 (0)30 - 20 370 -573
Mail werner@bbaw.de
Web www.bbaw.de

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist erforderlich.


Die Tagung

Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Bildkulturen“ der Berlin- Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften befasst sich mit der Vielfalt von Bildkulturen in einer transkulturell wie kulturvergleichend ausgerichteten Perspektive. Ziel ist es, erstmals Bildkulturen auf ihren partikularen und gleich­zeitig universalen Anspruch hin sowohl in systematischer als auch in historischer Perspektive zu untersuchen. Sowohl das Besondere einer jeweiligen Bildkultur gegenüber anderen als auch das Allgemeine mit Blick auf eine globale Bildkultur wer­den thematisiert. Das Forschungsvorhaben unternimmt den Versuch einer dichten Explikation des Zusammenhanges von Bild und Kultur und wendet die auf die Vielfalt von Bil­dern bezogenen Fragen der Bildwissenschaft auf die Vielfalt der Kulturen an. Damit wird die grundsätzliche Frage der Bildwissenschaft „Was ist ein Bild?“ bzw. „Was sind Bilder?“ reformuliert: „Was sind Bildkulturen?“.

Sprecher der interdisziplinären Arbeitsgruppe ist Christoph Markschies. Die Tagung „Erkenntniswert Farbe“ wurde wis­senschaftlich konzipiert in Zusammenarbeit mit der Berliner Literaturwissenschaftlerin Margrit Vogt.

Anlässlich der Tagung wird die Ausstellung „Akademie zeigt Farbe“ eröffnet, kuratiert von Martina Baleva, wissenschaft­liche Mitarbeiterin der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Bild­kulturen“. Im Treppenhaus der Akademie werden Arbeiten von Rebecca Michaelis, Vladimir Mitrev, Katinka Pilscheur und Arne Schreiber gezeigt.


Einführung

Farbe ist keine Invariable, sondern ein Resultat kultureller Codierung. Sie stellt einen wesentlichen Schlüssel zu unse­rem Selbst- und Weltverständnis dar. Die Tagung „Erkennt­niswert Farbe“ widmet sich den Bedingungen und Möglich­keiten unserer Farberkenntnis und reflektiert unser Farbver­ständnis als kulturell codierte Komponente. Um den Blind Spot der kulturell vermittelten Farbauffassung ausfindig zu machen, werden transkulturelle, philosophische, linguisti­sche, historische, kunst- und koloritgeschichtliche sowie lite­rarische Farbdefinitionen und Farbverwendungen diskutiert und die Farbe in ihrer Dimension als Erkenntniswert umfas­send in den Blick genommen. Jede Epoche, Gesellschaft und Kultur bestimmt das Verhältnis zwischen den Farben immer wieder neu. Zudem werden den Farben in unterschiedlichen Kulturen jeweils andere Farbwörter zugeteilt und mit diver­gierenden symbolischen Bedeutungen aufgeladen. Vor die­sem Hintergrund soll die Farbe als Erkenntniswert in ihrer gesellschaftlichen Verwendung in den Blick genommen werden.

Bereits in der Antike wird Farbe zum Reflexionsgegenstand von Philosophen, Kunsttheoretikern, Künstlern und Dichtern. Zum salonfähigen Thema avanciert die Farbdebatte jedoch erst mit Newtons prismatischer Farberkenntnis. Die einset­zende Newtonrezeption und die damit verbundene Disper­sion der physikalischen Farbdebatten tragen wesentlich zur diskursiven Entdeckung der Farbe bei. Spätestens seit An­fang des 19. Jahrhunderts feiert die Farbthematik mit der Nobilitierung zum Gegenstand natur- und geisteswissen­schaftlicher Forschung Konjunktur: Die Diskurse werden ver­netzt und die quantitative Multiplikation von Farbstudien Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt sich zur qualitativen Wis­sensexplosion. Die Farbe wird nicht nur zur zentralen und heftig umstrittenen Schnittstelle chemischer und physikali­scher, medizinischer, architektonischer, wahrnehmungs­psychologischer, kunsttheoretischer, ästhetischer und künst­lerischer Diskurse; vielmehr steht auch ihre Bedeutung in der Literatur außer Zweifel, man denke lediglich an die Farbe Blau als Signalmarker einer gesamten literarischen Epoche, als Sinnträger des romantischen Sehnens nach Liebe und Glück


Programm

14.00 Uhr
Sektion I: INTERDISZIPLINÄRE KLASSIFIKATION UND SYSTEMATISIERUNG VON FARBE

Begrüßung
Ingeborg Reichle
Interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Bildkulturen“, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Einführung
Margrit Vogt
Humboldt-Universität zu Berlin

Farbenforschung um 1800 und die Rolle Goethes
Friedrich Steinle
Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte, Technische Universität Berlin

Newton, Goethe und die Entdeckung neuer Farbspektren am Ende des 20. Jahrhunderts
Olaf Müller
Institut für Philosophie, Humboldt-Universität zu Berlin

(Moderation: Margrit Vogt, Humboldt-Universität zu Berlin)

16.15 Uhr - 16.45 Uhr
Kaffeepause

Der Wert der Farbe. Zum Verhältnis von Gegenstandswahrnehmung und Gestalterfahrung
Magnus Schlette
Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST), Heidelberg

Erkenntniswert Farbe. Eine systematische Betrachtung kultureller Farbcodierungen
Margrit Vogt
Humboldt-Universität zu Berlin

(Moderation: Toni Bernhart, Graduiertenschule für die Künste und die Wissenschaften, Universität der Künste Berlin)

19.30 Uhr
ÖFFENTLICHER ABENDVORTRAG

Einführung
Ingeborg Reichle
Interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Bildkulturen“, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Zur Aktualität der Farbmalerei
Michael Fehr
Institut für Kunst im Kontext, Universität der Künste Berlin

Ausstellungseröffnung „Akademie zeigt Farbe“
Martina Baleva
Kuratorin, Interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Bildkulturen“, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Freitag, 8. Juli 2011
10.00 Uhr
Sektion II: PHILOSOPHISCHE, SPRACHTHEORETISCHE UND LINGUISTISCHE FARBREFLEXIONEN

Begrüßung
Ingeborg Reichle
Interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Bildkulturen“, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

(Keine) Farben in der Logik
Esther Ramharter
Institut für Philosophie, Universität Wien, Österreich

Farben als Gegenstand und Instrument der Naturgeschichte um 1800
Andre Karliczek
Institut für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik, Friedrich-Schiller-Universität Jena

11.45 Uhr - 12.15 Uhr
Kaffeepause

Die Farbe als sprachliche Größe
Toni Bernhart
Graduiertenschule für die Künste und die Wissenschaften, Universität der Künste Berlin

(Moderation: Ingeborg Reichle, Interdisziplinäre Arbeits gruppe „Bildkulturen“, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften)

14.00 Uhr
Sektion III: ERKENNTNISWEISENDE EINZELFARBEN IN LITERATUR, KUNSTTHEORIE UND KUNST

Farbwirkung und Farbverzicht. Zur Clair-obscur-Technik im 16. Jahrhundert
Magdalena Bushart
Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik, Technische Universität Berlin

Polaritäten: Weiß und Schwarz als Extreme der Farbe. Farbtheorie und Malerei in Frankreich nach 1750
Ulrike Boskamp
Kunsthistorisches Institut, Freie Universität Berlin

Ad Reinhardts Schwarz. Die Negation als die einzige Form der Autonomie
Werner Busch
Akademiemitglied, Kunsthistorisches Institut, Freie Universität Berlin

16.15 Uhr - 16.45 Uhr
Kaffeepause

Die Ambivalenz des Gelben und die Kunst des Skandals
Sabine Doran
Department of Comparative Literature, University of California, Riverside

Fremde Federn. Zur Bedeutung der Farbe Rot für die Handelsbeziehungen zwischen Europäern und Tahitianern in Georg Forsters „Reise um die Welt“
Anne Peiter
Département d’allemand, Université de la Réunion

(Moderation: Ernst Osterkamp, Akademiemitglied, Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für deutsche Literatur)

Schlusswort
Margrit Vogt
Humboldt-Universität zu Berlin


Dokumente zum Download

Das Tagungsprogramm, das Veranstaltungsplakat sowie ein Reader stehen unter den unten aufgeführten Links als speicherbare PDF-Dokumente zum Download zur Verfügung.

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