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Prof. Dr. Ingeborg Reichle · projekte · junges forum
IMAGE MATCH
Visueller Transfer, »imagescapes« und Intervisualität in globalen Bild-Kulturen

Junges Forum für Bildwissenschaft 2010
9. bis 11. Juni 2010

Tagung der Interdisziplinären Arbeitsgruppe Bildkulturen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

Wissenschaftliche Konzeption und Organisation
Martina Baleva, Ingeborg Reichle und Oliver Lerone Schultz

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
Interdisziplinäre Arbeitsgruppe »Bildkulturen«
Jägerstraße 22/23
D-10117 Berlin


Rahmendaten

Kurzinfo
Das Junge Forum für Bildwissenschaft der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften wird von der Interdisziplinären Arbeitsgruppe »Bildkulturen« veranstaltet.

Zeit
Mittwoch, den 9. Juni 2010, 16.00 bis 22.00 Uhr, Donnerstag, den 10. Juni 2010 von 10.00 bis 22.00 Uhr und Freitag, den 11. Juni 2010 von 10.00 bis 16.00 Uhr.

Ort
Mittwoch, den 9. Juni 2010, Archiv der Jugendkulturen e. V., Fidicinstraße 3, 10965 Berlin.

Ort
Donnerstag, den 10. Juni 2010, Raum 228 (2. Stock) und Freitag, den 11. Juni 2010, Raum 1 (1. Stock) im Gebäude der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Jägerstraße 22/23, 10117 Berlin, Berlin-Mitte (U2 Hausvogteiplatz, U2/U6 Stadtmitte).

Abendvortrag
Am Abend des 10. Juni wird Gabriel S. Moses (Jerusalem/Berlin) um 19.30 Uhr einen öffentlichen Abendvortrag zum Thema »The Con-Sequential Narrative« im Einstein-Saal halten.

Beschreibung
Im Zuge der Globalisierung geraten Bilder gegenwärtig mit­samt den sie tragenden Kulturen in neuer und massenhafter Weise in Bewegung: Bilder werden Teil transnationaler und transregionaler Migration, fließen millionenfach durch neue globale Kommunikationskanäle, sind gebunden an neue Per­spektivitäten, an Vektoren und Beweglichkeiten - und fusio­nieren ununterbrochen zwischen soziokulturellen Domänen, Teilkulturen oder vormals separierten Bedeutungsräumen. Bilder und visuelle Ensembles werden in der Folge vermehrt zu Trägern, »Orten« oder auch symptomatischen Indizes kultureller Austausch-Bewegungen. Schon ist stellenweise von »flowing images« die Rede.

In diesen von jeher bedeutsamen Bewegungen der Bilder und Bildkulturen entstehen nicht nur neue Bildformen, son­dern darüber hinaus auch »third spaces« (Homi Bhabha, Edward Soja) von Bildern in den Transferräumen - d. h. neue, reale und virtuelle Bildarchive, Bildmärkte und visuelle Bühnen. Mit ihnen formen sich spezifische transkulturelle Bildensembles und neue Interpretationsgemeinschaften im Sinne von Bildkulturen, in denen diese vielfältigen visuellen und ikonischen Begegnungen kultiviert, enkulturiert oder verhandelt werden. Einzelne Bildkulturen lassen sich inhä­rent nur in ihren kulturellen Übertragungen von einem Bild­raum in den anderen deuten. Aber auch »traditionelle« Bild­kulturen der sogenannten Hochkultur und die tradierten Bild­medien sind in ihren visuellen Referenzen oft nur durch ihre Übertragungen aus anderen Bildbeständen zu verstehen.

IMAGE MATCH stellt die Frage nach den Neubestimmungen einer Bildwissenschaft unter den Bedingungen der massen­haften und mitunter bewusst bzw. reflexiv stattfindenden Bildtransfers zwischen bestehenden Bildkulturen. Fokussiert werden sollen dabei neu entstehende Gleichzeitigkeiten und Verkoppelungen zwischen kulturellem und bildlichem Raum und damit zwischen unterschiedlichen, sich jedoch ergänzen­den Perspektiven des praktischen Sehens. Inwieweit muss die Idee der kulturellen (Bild-)Produktion bspw. von der Du­blette »Making« und »Matching« (McLuhan) um ein »Mixing« ergänzt werden? Was ist, wenn Bilder - und Medien über­haupt - Zeit und Raum nicht überwinden, sondern kulturelle Akteure und Bedeutungsräume vielmehr verflechten? Was bedeuten Bilder gerade im Austausch - in oder nach einem anspruchsvollen Transfer? Welche Art von »Frames« be­stimmen Bilder, die die Rahmen einer Kultur überschreiten, um sich behaftet mit den Spuren ihres Ur-Sprungs in neue kulturelle Bedeutungsräume einzuzeichnen? Wie bestimmen sich kulturelle und bildliche Perspektivenübernahmen gegenseitig bzw. inwieweit sind sie überhaupt unterscheid­bar? Gefragt wird nach den damit einhergehenden und neu entstehenden hybriden kulturellen Bildpraktiken und Bild­systematiken sowie nach dem Einfluss auf den Status je bestehender »alter«, etablierter Bilddomänen - also auch nach der historischen Entwicklung und Veränderung von Bildkognition selbst.

Bild-Bedeutung im Transfer
»Transfer« wird heute eine zunehmend durchgängige Größe allgemeiner Lebenserfahrung und -praxis für ganz unter­schiedliche Gruppen von Akteuren und einer umfassend sich geltend machenden Realität der neuen Informations- und Kommunikationsverhältnisse: soziale Netzwerke, weltum­spannende Imagepools, neue Verfügbarkeiten von Kommunikationskanälen, wachsende multidimensionale Mobilitäten, globale kulturelle Märkte. Als Topos wie auch als anspruchsvolle methodische Herausforderung an einen rein kulturvergleichenden und komparatistischen Zugriff wird »Transfer« bereits seit Längerem in den Literaturwissen­schaften verhandelt. Ähnliches zeichnet sich in Begriffen wie »Intervisualität « oder »Interikonizität« für die Bildwissen­schaften und das Verständnis von »Bildkulturen« ab. »Blickwechsel« und »Perspektivenübernahme« sowie kom­plexere kulturelle Prozesse wie die des Lernens, des Dialogs oder der Empathie kommen hier ebenso neu ins Spiel und die Bestimmung von »Kultur« überhaupt muss eventuell neu verhandelt werden.

»Intervisualität«, »Imagescapes« und die Eigenwertigkeiten neuer Bild-Kulturen
In reflexiven Bildprozessen - fin­den an den verschiedenartigsten kulturellen Übergangsstel­len Bildtransfers statt, in deren Vollzug sich die Akteure bewusst mit verschiedenen Formen von Bildlichkeit ausein­andersetzen. Wo von »user-generated content«, sozialen Netzwerken und Partizipationskulturen die Rede ist, müssen im Sinne eines emphatischen und expliziten Bildgebrauchs auch Kulturen des Transfers angenommen werden, in denen sich Taktiken, Strategien und operative Kulturen ausbilden - auch als Auseinandersetzung mit den übernommenen Bildern und deren heterogener Kulturalität.

Re-Positionierungen im »Rahmen« von Bild-Transfer-Kulturen
Innerhalb der übertragenen Aneignung bestehender Bildmo­tive, Bildbestände und Bildrepertoires tritt mit diesen Über­setzungen von Bildwahrnehmungen und Bildhandlungen im­mer auch eine Repositionierung von kulturellen Subjekten in Erscheinung. Die Frage nach einer »globalen Bildkultur« erhält eine neue Konfiguration, wenn der Fundamentalper­spektive der »Intertextualität« eine kulturell verstandene »Intervisualität« an die Seite gestellt wird und wenn neben die Erkenntnis von globalen »ideascapes« oder »media­scapes« auch die von im Austausch allererst entstehenden »imagescapes« tritt.

Bildwissenschaftliche Transferleistung - auf dem Weg zu neuen Bildtheorien?
Was sind die Implikationen für eine Bildtheorie, wenn die Referenzordnungen der Bilder und ihre klassischen Bild­semiotiken im Spannungsraum des Kulturtransfers ergänzt werden durch die inhärente Bedeutsamkeit ihrer kulturellen Verweise und eine Praxis der Verknüpfung sowie des expli­ziten Bezugs auf heterogene Sozial- und Bedeutungsräume? So stellt sich die Frage nach der Systematik und Kultur der Bildtransfers auch in ihrer weitreichenden Bedeutung für Grammatiken, Signifikationsweisen und Semiotiken des Bildlichen selbst: Ändert sich in einer globalen Transfer-Kultur Bildlichkeit selbst? Braucht eine globale Kultur, die sich als Verhandlungsraum von sich überkreuzenden und überlagernden Kulturen darstellt, eine neue Theorie, gar eine neue Methodik der Beschreibung, Analyse und Deutung des Bildlichen? Inwieweit wird eine neue Terminologie für die Analyse von Bild-Kulturen benötigt, in denen Originalität, Authentizität, Provenienz u. ä. keine originären Werte und Bezugsgrößen mehr sind? Oder müssen Bildsemiotiken gar grundlegend neu formuliert werden - als »cultural relations« vor dem Horizont dialogischer Methodologien?

Tagungsprogramm

[Mittwoch, 9. Juni 2010]
16.00 Treffen im Archiv der Jugendkulturen e. V., Fidicinstraße 3, 10965 Berlin
16.15 Präsentation des Archiv der Jugendkulturen e. V.
17.30 Besichtigung des Archiv der Jugendkulturen e. V., Vorstellung der Streetart-Website überdose.de und Urban-Art-Spaziergang mit Christoph Janke durch Berlin-Kreuzberg
19.30 gemeinsames Abendessen
[Donnerstag, 10. Juni 2010]
10.00 - 10.15 Martina Baleva, Ingeborg Reichle, Oliver Lerone Schultz: Begrüßung
10.15 - 10.30 Oliver Lerone Schultz: Einführung
Moderation: Ingeborg Reichle
10.30 - 11.15 Markus Rautzenberg (Institut für Philosophie, FU Berlin): Inhabiting Pictures. Possessive Bildlichkeit zwischen »Einwohnung« und »Pest der Phantasmen«
11.15 - 12.00 Jacob Birken (Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Karlsruhe/Global Art and the Museum): Eklektizismus als Utopie. Hyperkulturelle Aneignungen und fiktionalisierte Ikonografien
12.00 - 12.45 Benjamin Eugster (Karls Universität, Prag): Mashing Up 9/11 - Die Verselbständigung audiovisueller Formen
12.45 - 14.15 Mittagspause
Moderation: Martina Baleva
14.15 - 15.00 Il-Tschung Lim (NFS Bildkritik Eikones, Basel): »World-making«. Zur Globalisierungs- und Differenzierungsdynamik durch Bilder in Ökonomie und Kunst
15.00 - 15.45 Oliver Lerone Schultz (BBAW , Berlin): Bilder der Globalisierung - »cognitive visioning« und Begegnungen mit dem Unübersehbaren
15.45 - 16.15 Kaffeepause
Moderation: Oliver Lerone Schultz
16.15 - 17.00 Martina Baleva (BBAW, Berlin): Das Imperium schlägt zurück. Osmanische Bildpropaganda in abendländischem Gewand
17.00 - 17.45 Jihan Radjai (Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg): Visuelle Subversionen. Blickwechsel in der israelischen Fotografie
17.45 - 18.30 Michaela Nicole RaSS (Institut für Germanistik, Universität Wien): Das Bild vom Bild. Manga: Transfer von West nach Ost und zurück
18.30 - 19.30 Gemeinsames Abendessen im Hause
19.30 Öffentlicher Abendvortrag im Einstein-Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
Begrüßung: Ingeborg Reichle
Einführung: Oliver Lerone Schultz und Martina Baleva

Vortrag: Gabriel S. Moses
The Con-Sequential Narrative

Präsentation der Ausstellung »Auf dem Sprung« durch das Archiv der Jugendkulturen e. V.

Öffentlicher Empfang
[Freitag, 11. Juni 2010]
9.30 - 9.45 Martina Baleva, Ingeborg Reichle, Oliver Lerone Schultz: Begrüßung
Moderation: Ingeborg Reichle
9.45 - 10.30 Priyanka Basu (University of Southern California): Kunstwissenschaft and the „Primitive“
10.30-11.15 Ulf Jensen (Universität Jena/Beuys Forschungsprojekt »Parallelprozesse«): Monument und Medium. Bildtransfer bei Joseph Beuys
11.15 - 11.30 Kaffeepause
Moderation: Martina Baleva
11.30 - 12.15 Franziska Kümmerling (Friedrich Schiller Universität, Jena /Graduiertenakademie - »Grundlagenforschung Bild und Wahrnehmung«): Nicht ganz gewöhnliche Bilder. Über die Ambivalenz der Zentralperspektive
12.15 - 14.00 Mittagspause
Moderation: Oliver Lerone Schultz
14.00 - 14.45 Beate Löffler (Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde Dresden e. V., Dresden): Das Bild von Kirche: Rezeptionsmechanismen und Symbolverständnis im Kulturtransfer zwischen Japan und dem Westen
14.45 - 15.30 Nicole E. Stöcklmayr (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien): Move(ns). Zum Bildtransfer bei UN Studio
15.30 - 16.15 Anna Valentine Ullrich (Institut für Sprach- und Kommunikations-wissenschaft, RWTH Aachen): Bildtransfers als transkriptive Prozesse


Dokumente zum Download

1 | Reader. Zur Tagung Image Match erschien ein Reader mit den Abstracts der Beiträge sowie einem Programm­ablaufplan. Der Reader steht unter diesem Link als speicherbares PDF-Dokument zum Download zur Verfügung.

2 | Abendvortrag. Das Ankündigungsplakat zum Abendvortrag The con-sequential narrative von Gabriel S. Moses (10. Juni 2010, 19.30 Uhr) steht unter diesem Link als speicherbares PDF-Dokument zum Download zur Verfügung.

3 | Ausstellung. Zur begleitenden Ausstellung Auf dem Sprung, einer Ausstellung des Archivs der Jugendkulturen, vom 25. Mai bis 11. Juni 2010 finden Sie an dieser Stelle ein PDF zum Download.

4 | Tagungsbericht. Zur Tagung Image Match erschien ebenfalls ein Tagungsbericht. Sie finden den Bericht an dieser Stelle als PDF-Dokument zum Download.
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