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kgs · publikationen · medienbrüche
Die Diskussion um die Einführung digitaler Medien in die universitäre Kunstgeschichte oszilliert hier zu Lande zwischen der Vorstellung einer digitalisierten Kunstgeschichte, die die analogen Arbeitsweisen in effizientere digitale überführen will, und einer digitalen Kunstgeschichte, die vorgibt, durch digitale Medien neue Wege im kunstwissenschaftlichen Erkenntnisprozess zu beschreiten. (44) Ausgeblendet bleibt in dieser Diskussion jedoch oftmals die Tatsache, dass es heute weniger um die Ablösung und Verdrängung eines "alten" Mediums durch ein innovativeres "neues" Medium bzw. Multimedia geht, sondern vielmehr um die Einbindung dieser Diskussion in einen größeren Untersuchungszusammenhang, der die enge Verknüpfung der Methodik der Kunstgeschichte mit ihren technischen Apparaten reflektiert. Seit Jahren bewähren sich digitale Medien ganz konkret in schon für sie gewonnenen Feldern und reüssieren zusehens in neuen. Zudem verlief die rasche Entwicklung der digitalen Informationstechnologien sowie der fortschreitende Einsatz digitaler Bildverarbeitungs- und Speichersysteme und deren Einzug in die kunstgeschichtliche Forschung und Lehre in den letzten Jahrzehnten parallel zur Öffnung des kunstgeschichtlichen Themenspektrums und der Etablierung einer Wissenschaftspraxis, die sich auch Themen außerkünstlerischer Bildproduktion widmet und damit ein Überschreiten disziplinärer Grenzen, insbesondere zwischen Natur- und Geisteswissenschaften forciert. Genres wie Film, Fotografie und digitale Medienkunst fanden vermehrt Eingang in das Blickfeld kunstwissenschaftlicher Forschung und Lehre. Doch lassen sich Themen wie interaktive Medienkunst oder Netzkunst mit den konventionellen Mitteln des kunstgeschichtlichen Arbeitens nicht mehr adäquat erfassen, noch medial transportieren oder vermitteln. Diese Themen verlangen vielmehr neue Formen der Visualisierung, Strukturierung und Archivierung von Wissen durch den Computer und die Verbreitung derartiger Konzepte über das Internet. Mit dem Einzug der digitalen Revolution in den Alltag der Anwendung digitaler Technik und der Aufnahme digitaler Medienkunst (45) in das selbstverständliche Repertoire sich bis noch vor kurzem reserviert gebender Kunstinstitutionen scheint die zwanzig Jahre währende hitzige Debatte um die digitalen Medien und deren Integration in die Kunstgeschichte an ihr vorläufiges Ende gekommen zu sein.




44 Vgl. hierzu auch Claus Pias: "Maschinen/lesbar". In: Matthias Bruhn (Hg.): Darstellung und Deutung. Abbilder der Kunstgeschichte, Weimar 2000, S. 127 ff.zum fliesstext

45 Von Beginn der Achtzigerjahre an wurde die Debatte um die Integration digitaler Kunst in die Kunstwissenschaft mit polarisierenden Argumenten geführt. Die eine Seite strebte einen vollständigen Bruch mit allen kunsthistorischen Traditionen an, während die andere in einem massiven Abwehrgestus und traditionellen Kunstbegriff verharrte, vgl. hierzu im Vorwort: Peter Gendolla, Norbert M. Schmitz, u.a. (Hg.): Formen interaktiver Medienkunst, Frankfurt a. M. 2001, S. 7. zum fliesstext

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Laterna magica für Doppelprojektion mit mechanischem Dissolver aus: Stein, Sigmund, Theodor: Das Licht im Dienste der wissenschaftlichen Forschung, 2. Aufl., 2 Bde., Halle/S. 1885, Bd. 2, S. 275-321. (Bildnachweis: Hoffmann, Detlev u. Almut Junker: Laterna Magica. Lichtbilder aus Menschenwelt und Götterwelt, Berlin 1982, S. 42.)